Existenzgründung Frauen

Studie zur Existenzgründung von Frauen

Frauen gründen anders als Männer

Maria Lauxen-Ulbrich und Silke Fehrenbach vom IfM Mannheim (Institut für Mittelstandsforschung Mannheim) stellen im Rahmen des Projekts "Women Way of Entrepreneurship" eine Studie "Gründungen von Frauen in Deutschland" vor, die Umfang, Entwicklung und Charakteristika des Gründungsgeschehens von Frauen beschreibt.

Frauen bei der Existenzgründung unterrepräsentiert

Der Frauenanteil an allen Existenzgründungen beträgt gut ein Drittel und ist damit höher als der Frauenanteil unter den Selbständigen insgesamt. Damit liegen Frauen zwar anteilig weit hinter den Männern zurück, aber es ist zugleich auch ein Hinweis auf steigende Gründungszahlen von Frauen und spiegelt gleichzeitig den enormen Zuwachs an selbständigen Frauen innerhalb der vergangenen Jahre wider. Im Vergleich zu ihrem Anteil an allen Erwerbstätigen sind Frauen jedoch unter den GründerInnen immer noch unterrepräsentiert.

Auch mit Blick auf die Gesamtbevölkerung liegt die Gründungsquoten der Frauen mit 1,3% der weiblichen Erwerbstätigen bzw. mit 0,7% der weiblichen Bevölkerung deutlich unter denjenigen der Männer (1,9% bzw. 1,3%).

Frauen gründen anders als Männer

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte von Gründerinnen liegen eindeutig in den Dienstleistungsbereichen. Insbesondere die Persönlichen Dienstleistungen sowie das Gesundheits-/Sozialwesen erweisen sich bei einem Vergleich zwischen Gründerinnen und Gründern als ausgesprochene Frauendomänen. Hier gründen Frauen deutlich häufiger als Männer. Demgegenüber finden sich mehr Gründer als Gründerinnen im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe, wo Frauen kaum vertreten sind.

Existenzgründung Frauen

Frauen gründen meinst alleine

In der Frage in welchem Umfang Frauen bei einer Unternehmensgründung noch weitere Personen beschäftigen zeichnet sich ein deutliches Bild ab. Mehr als zwei Drittel (70%) aller Gründerinnen gründet einen Betrieb ohne weitere Beschäftigte. Dieser Anteil liegt unter Gründern mit 58% deutlich niedriger. Gleichzeitig ist damit auch der Frauenanteil unter den Solo-Gründungen mit 39% überproportional hoch.

Dass Gründerinnen seltener weitere Personen beschäftigten, dürfte zum einen an der Wahl der Geschäftstätigkeit liegen. Gerade persönliche und soziale Dienste, die häufig im Fokus der Leistungserbringung von Frauengründungen stehen, können zumindest zunächst ohne weitere Beschäftigte erbracht werden.

Aber auch die strategische Ausrichtung und Ziele von Frauen bei der Existenzgründung spielen dabei eine wichtige Rolle. Qualitative Erhebungen kommen zu dem Ergebnis, dass Frauen seltener als Männer das Ziel eines möglichst großen oder schnell wachsenden Betriebes verfolgen.

Arbeitszeitgestaltung nach der Existenzgründung

Besonders interessant ist die Frage nach der Einteilung und dem Umfang der aufgewendeten Arbeitszeit nach der Existenzgründung ? etwa, ob die Gründerin eher mit dem rastlos schaffenden Unternehmer gleichzusetzen ist, oder - wie vielfach angenommen ? als Erwerbsform einfach ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit ermöglicht.

Nicht ganz ein Drittel der Gründerinnen arbeitet bis zu 20 Stunden in der Woche. Dies ist sogar mehr als unter den abhängig beschäftigten Frauen, von denen ein gutes Viertel diese Wochenarbeitszeit erreicht.

Alles in allem zeigen die Arbeitszeiten von Gründerinnen und auch von bereits längere Zeit selbständigen Frauen eine gespaltenes Bild: Ein Teil arbeitet wenig, der andere Teil fällt durch einen besonders hohen Arbeitseinsatz auf. Zwar arbeiten längere Zeit selbständige Frauen noch etwas häufiger über 41 Stunden als Gründerinnen, doch immerhin gut mehr als ein Drittel der Gründerinnen ist ebenfalls in diesem Ausmaß im ?Einsatz?.

Erwerbsstellung vor der Existenzgründung

Sowohl Frauen (mehr als zwei Drittel) als auch Männer (vier Fünftel) gründen am häufigsten aus abhängiger Beschäftigung. Jeweils zwischen sechs und acht Prozent der GründerInnen waren vor der Gründung Student/in bzw. Schüler/in oder gar arbeitslos. Allerdings waren Frauen vor der Gründung häufiger als Männer nicht erwerbstätig, also Hausfrau.

Startkapital für die Existenzgründung

Die neuesten Befunde aus dem GEM Länderbericht 2003 für Deutschland zeigen zwar, dass (potenzielle) Gründerinnen einen - aufgrund mangelnder Möglichkeiten oder anderer Gründungskonzepte - geringeren Kapitalbedarf haben als Gründer. Sie belegen jedoch auch, dass Gründerinnen i.d.R. nicht die Möglichkeit haben größeres Startkapital bereitzustellen und so häufiger Kapital innerhalb der Familie nachfragen müssen.

Dies ergibt auf der einen Seite einen höheren Anteil von Frauen, die nahezu ohne Kapital gründen. Allerdings ist auf der anderen Seite der Anteil von Gründungen mit einem Startkapital von über 25.000 ? bei Frauen und Männern gleich hoch, ein Ergebnis, das vor dem Hintergrund früherer Befunde eher überrascht. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass hier die Solo-Gründungen, die im Schnitt einen geringeren Kapitalbedarf aufweisen, und bei denen Frauen überproportional häufig vertreten sind, unberücksichtigt bleiben.

Lebenssituation: Kinder kein Hindernis bei der Existenzgründung

Die meisten Frauen leben zum Zeitpunkt der Existenzgründung mit einem Partner zusammen. Dabei fällt allerdings auf, dass sich 36% der Gründerinnen in einer Lebensgemeinschaft ohne Kind befinden. Unter den Frauen, die schon längere Zeit selbständig sind, liegt die Quote um 8 Punkte höher bei 44%.

Zwar lebt der überwiegende Teil der Gründerinnen ohne Kinder, dennoch soll an dieser Stelle ein möglicher Zusammenhang zwischen Elternschaft und Gründung nicht unerwähnt bleiben: Würden Kinder die Existenzgründung hemmen, dürfte der Anteil der Mütter unter Gründerinnen eher geringer ausfallen. Die Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass jüngere Kinder eher kein Hindernis für eine Gründung darstellen. Denn der Anteil von Gründerinnen mit jüngeren Kindern (0 bis 6 Jahre) liegt höher als derjenige unter etablierten selbständigen (bzw. auch abhängig beschäftigten) Frauen. Darüber hinaus zeigt sich auch, dass Frauen mit jüngeren Kindern häufiger als Frauen mit älteren Kindern bzw. ohne Kinder eine Existenzgründung in Betracht ziehen.

Die gesamte Studie können Sie hier einsehen.

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