| 09. Juni 2010

Mit dem Containerschiff um die Welt reisen
Die etwas andere Kreuzfahrt
Den noblen Luxuskreuzer gegen ein Frachtschiff tauschen - von Jahr zu Jahr entscheidet sich eine steigende Zahl von Touristen für diese preiswerte Alternative zum Traumschifftrubel. Rund 5.000 Fahrgäste zählte der Verband Deutscher Reeder im vergangenen Jahr und seit Beginn steigen die Passagierzahlen kontinuierlich. In den vergangenen zehn Jahren hat der Trend aber noch einmal deutlich zugenommen.
Von Fünf-Tages-Touren nach Skandinavien bis zur 124-tägigen Weltreise sei prinzipiell alles möglich, was die Reiserouten der Frachter hergeben. Cocktail-Abende, Animateure und Menschenmassen suche man auf diesen Reisen aber vergebens. Frachtschiffreisen buchen gerade jene Menschen, welche die See und die Schifffahrt direkter und intensiver erleben möchten, abseits von den Menschenmengen auf Kreuzfahrtschiffen. Dabei geht die Begeisterung für die etwas andere Art, um mit dem Schiff zu reisen, quer durch alle Bevölkerungsgruppen: "Vom Baggerfahrer bis zum Ministerpräsidenten reicht die Bandbreite der Menschen, die bei uns schon einmal eine Reise mit dem Frachtschiff gebucht haben", erzählt ein Kapitain.
Die Passagiere werden auf solch einer Fahrt in frei gebliebenen Kabinen untergebracht. Es gibt dann sowohl einfache Crewkabinen als auch große, luxuriös ausgestattete Eignerkabinen mit Meerblick. Manche Schiffe verfügen zudem über Annehmlichkeiten wie Fitnessraum, Sauna oder Bibliothek. Auch wenn es nicht gerade luxuriös auf den Frachtschiffen zugehe, müsse also kein Urlauber auf Komfort verzichten. Verpflegt werden die Gäste vom Schiffskoch, gegessen wird gemeinsam mit der Crew.
Da zumeist Plätze auf Containerschiffen vermittelt werden, die eine feste Reiseroute haben, lässt sich auch recht gut kalkulieren, wo ein Schiff wie lange vor Anker liegt, sodass die Urlauber Ausflüge planen können. Allerdings müssen sich die Touristen nach den Vorgaben der Crew richten, schließlich steht immer noch die Beförderung der Ladung im Vordergrund. Beim Löschen und Beladen können die Urlauber denn auch zusehen und an Bord am Leben auf See teilhaben. Natürlich ist auch die Überfahrt nicht umsonst, im Vergleich zur Kreuzfahrt aber ist der Abenteuerurlaub auf einem Frachter recht preiswert. Zwischen 60 und 100 Euro muss man pro Tag an Bord einplanen, volle Verpflegung inklusive. Die Reiseziele der Frachter reichen dabei von der Ostsee über mehrwöchige Fahrten zu den Kanaran, nach Brasilien, China und Australien bis zur Reise "ostwärts um die Welt".
Auch wenn die Atmosphäre auf diesen Abenteuerfahrten sehr leger ist, eines ist Pflicht: Die sogenannte Deviationsversicherung, die die Mehrkosten der Reederei abdeckt, falls ein Passagier krank wird und das Schiff umgeleitet werden muss. Einen Arzt gibt es auf den meisten Frachtschiffen nämlich nicht.
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